Aktuelles

Hodenkrebs

von Prof. Dr. med. Robert Obermaier, Chefarzt Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Minimalinvasive Chirurgie und Proktologie, Klinikum St. Elisabeth Straubing | 02.07.2020

Hodenkrebs ist eine eher seltene Krebserkrankung. Sie ist aber die häufigste Krebserkrankung bei jungen Männern zwischen 25 und 45 Jahren. Bei fast allen Patienten kann der Hodenkrebs durch eine entsprechende Therapie geheilt werden.

DAS IST ES

Hodenkrebs ist eine bösartige Erkrankung. Sie beginnt in einem der beiden Hoden und kann sich im weiteren Verlauf auch auf Nebenhoden und Samenleiter ausbreiten. Fast alle bösartigen Tumoren des Hodens haben ihren Ursprung in Keimzellen. Bei so gut wie allen Männern tritt der Hodenkrebs nur an einem Hoden auf. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 38 Jahren.

RISIKOFAKTOREN

Es gibt zwei Faktoren, die die Entstehung von Hodenkrebs fördern können. Zum einen ist das der Hodenhochstand. Das Risiko, an Krebs zu erkranken, ist sowohl für den hochstehenden als auch für den anderen, abgestiegenen Hoden deutlich erhöht. Auch eine korrigierende Operation im Kindesalter ändert daran nichts. Zum anderen kann das Risiko für Hodenkrebs vererbt werden.

BESCHWERDEN

Schwillt der Hoden einseitig an oder tastet sich verhärtet, kann das ein Zeichen für Hodenkrebs sein. Auch Schmerzen im Bereich der Hoden oder eine Ansammlung von Flüssigkeit können auf einen Hodenkrebs hindeuten. Männern wird empfohlen, beide Hoden regelmäßig abzutasten, um frühzeitig Veränderungen zu entdecken. 

DIAGNOSE

Neben der körperlichen Untersuchung wird eine Ultraschalluntersuchung der Hoden durchgeführt. In Bluttests werden die Tumormarker bestimmt. In weiteren Untersuchungen wie Röntgenuntersuchung der Lunge und Computertomographie wird abgeklärt, ob sich Metastasen in anderen Organen gebildet haben, da der Hodentumor schnell streuen und metastasieren kann.

THERAPIE

Zuerst wird der Hodentumor operativ über einen Schnitt in der Leiste entfernt. Die weitere Behandlung hängt ab von der Art des Tumors und den Ergebnissen der feingeweblichen Untersuchung. Besteht der Verdacht, dass die Lymphknoten befallen sind, werden diese entweder in einer zweiten Operation komplett operativ entfernt oder es folgt zunächst eine Chemotherapie mit Zytostatika. Dazu werden mehrere krebshemmende Medikamente gleichzeitig verabreicht.  Bei großem Lymphknotenbefall wird zuerst die Chemotherapie durchgeführt und dann operiert. Diese Therapie ist für den Patienten sehr anstrengend, aber auch sehr erfolgversprechend. Das Thema Kinderwunsch sollte mit dem Arzt vorab besprochen werden, da eine Chemotherapie die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.

OPERATION

Bei dem Eingriff gelangt der Chirurg über die Leiste zum betroffenen Hoden. Er kann meist mit bloßem Auge erkennen, ob es sich um einen bösartigen Tumor handelt oder nicht. In unklaren Fällen wird eine Gewebeprobe entnommen und gleich während der OP untersucht. Ist der Tumor bösartig, wird der erkrankte Hoden zusammen mit Nebenhoden und Samenstrang entfernt. Die Entfernung eines Hodens wirkt sich in der Regel nicht auf die Sexualität und die Zeugungsfähigkeit des Mannes aus. Der zweite gesunde Hoden übernimmt die Aufgaben.

  REHABILITATION

In der Phase der Nachsorge stellen Untersuchungen sicher, dass der Krebs nicht neu auftritt. Auch Nebenwirkungen der Behandlung sind Inhalt der Nachsorge. Zudem erhält der Krebspatient Unterstützung bei körperlichen, seelischen und sozialen Problemen. Eine Kur nach dem Krankenhausaufenthalt kann den Genesungsprozess fördern.

GUTE INFOS

Gute Informationen über Hodenkrebs gibt es im Internet unter www.krebsgesellschaft.de. Im Patienteninformationszentrum am Klinikum St. Elisabeth liegen Bücher und Broschüren zum Thema auf. Einmal wöchentlich bietet eine Sozialpädagogin eine Sprechstunde an, in der Krebspatienten Hilfe und Beratung erhalten.