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Einführung der elektronischen Voranmeldung durch den Rettungsdienst

von Dr. Felix Rockmann, Chefarzt Notfallzentrum, Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg | 13.02.2019

Seit vielen Jahren nehmen die Zahlen der Behandlungen in den Notaufnahmen in ganz Deutschland zu. Dies hat viele Gründe, beispielhaft seien hier die Änderung der Altersstruktur (und damit eine höhere Morbidität), der Wunsch nach einer Rund-um-die-Uhr Versorgung auf hohem Niveau, die Abnahme der Hausarztdichte in ländlichen Gegenden und auch das qualitativ hohe Angebot der Versorgung durch die Krankenhäuser genannt. Der Krankenhausverbund der Barmherzigen Brüder macht hier keine Ausnahme und erfährt in allen Notaufnahmen der Verbundkrankenhäuser eine Zunahme der Patientenkontakte von bis zu 10% pro Jahr.

 

Das hier weder die räumlichen noch die personellen Ressourcen in gleichem Maße mitwachsen können, ist nachvollziehbar. Durch kontinuierliche Restrukturierungen, Professionalisierung in medizinischen wie pflegerischen Bereichen (hier sei z.B. die Fachweiterbildung Notfallpflege genannt) und viele andere Optimierungen wird in allen Notaufnahmen versucht, dieser Zunahme an Patienten und Aufgaben gewachsen zu sein. Auch der Rettungsdienst steht unter nicht unerheblichem Druck, mit den steigenden Transportanforderungen und den Kosten Schritt zu halten. Hier wird seit Jahren mit dem sog. TRUST Gutachten (und den Folgeevaluationen) die Vorhaltung an Rettungsmitteln vor allem nach ökonomischen Richtlinien optimiert. Ein sehr sensibler Bereich ist die Übergabe des Patienten vom Rettungsdienst an das Krankenhaus. Auch hier sind alle Seiten bestrebt, Verzögerungen auf ein Minimum zu beschränken, um sowohl ökonomische Vorteile als auch Versorgungsgeschwindigkeit sowie -qualität für den Patienten weiter zu erhöhen.

Projektbeschreibung

Der Rettungsdienst in Bayern (sowohl im Krankentransportwesen wie auch im Rettungsdienst) dokumentiert den Einsatz am Patienten bereits seit Jahren elektronisch. Dieses System fußt auf einer Technik, die die Firma medDV GmbH für Bayern federführend nach offizieller Ausschreibung und Auswahl in allen bayerischen Rettungsdienstbereichen eingeführt hat. Dieses System (NIDA-PAD, weitere Infos unter https://www.meddv.de/produkte/nidapad), ermöglicht nicht nur die Dokumentation des gesamten Einsatzes durch Verknüpfung von Patientendaten (Einlesen der Krankenkassenkarte) mit den Vitalparametern (Erfassung durch den Monitor im Rettungswagen) sondern auch die Erfassung von Bildern (über eine Kamera, zB Unfallsituation) und auch EKG-Kurven. Diese Information wird bisher bei der Übergabe ausgedruckt und physisch mit übergeben. Im Rahmen dieses Projektes hat das Krankenhaus Barmherzige Brüder, Prüfeningerstraße jetzt eine weitere Möglichkeit des NIDA-Systems eingeführt, nämlich die elektronische Voranmeldung von Patienten bereits während des Einsatzes durch das Telemetriemodul des NIDA PADs. Hierbei kann der komplette Datensatz bereits von unterwegs an das Krankenhaus versendet werden. Dies ermöglicht gerade in besonders kritischen Situationen eine schnellere Übernahme des Patienten, da dann eine adäquatere Vorbereitung gerade bei hohem Patientenaufkommen möglich ist: so können bereits vorab organisatorische Belange geklärt werden (ist der Patient isoliert z.B. aufgrund einer MRSA-Besiedlung oder wegen gastrointestinalen Symptomen) oder besteht ein zeitkritisches Krankheitsbild bei stabilen Patienten (diese werden in der Regel nicht von der Integrierten Rettungsleitstelle angemeldet). Beispiele hierfür sind Schlaganfälle im Lyse-Fenster. Bei dieser Anmeldung werden auch Informationen zu Vorbehandlung und Klinik übermittelt, die eine gezielte Vorbereitung ermöglichen. Auch die administrative Aufnahme dieser Patienten wird durch dieses System deutlich beschleunigt und kann bereits vor dem Eintreffen des Patienten erfolgen (gerade für hochkritische Schockraumpatienten ist diese ein entscheidender Vorteil). Neben medizinischen und administrativen Daten wird auch eine geplante Ankunftszeit des Rettungsdienstes übermittelt, das schont Ressourcen bei Pflege und Ärzten durch Abbau von unnötigen Wartezeiten.

Weiterhin haben wir in diesem Projekt vorgesehen, die komplette Dokumentation durch den Rettungsdienst nicht mehr als Ausdruck zu übernehmen, sondern das generierte PDF direkt dem Patienten im Klinikinformationssystem zuzuordnen.

Durchführung und erste Ergebnisse

Bereits im Frühjahr 2018 begannen wir in einer kleinen internen Projektgruppe bestehend aus Pflegekräften und Ärzten des NFZ zusammen mit Kollegen der EDV Abteilung alle Aspekte der Einführung zu planen. Hierzu gehörten Beschreibungen der aktuellen Arbeitsabläufe, Anforderungen an die Übermittlung und Installation zusätzlicher Monitore zur Anzeige der zu erwartenden Patienten (das sog. „Arrivalboard“, mehr Informationen siehe auch unter: https://www.meddv.de/produkte/nidaklinik). Ebenso wurden neben technischen Anforderungen (hier sind vor allem die Anbindung an das Klinikinformationssystem im Hause eine große Herausforderung) die Implikationen für den Workflow in Pflege und Medizin im Notfallzentrum geklärt und beschrieben. Auch negative Aspekte (Wartezeit auf die Übernahme trotz Voranmeldung und die damit mögliche Frustration sowohl auf Rettungsdienst- aber auch pflegerischer Seite) wurden ausführlich erörtert und in der Implementation berücksichtigt. Zusätzlich wurde das Projektteam noch durch Mitarbeiter der Technik, die für die Installation von mehreren Rechnern/Monitoren benötigt wurden, ergänzt. Auch wurden gleich Aspekte für das Roll-Out der Technik in anderen Häusern des Verbundes, insbesondere der Kinderklinik St Hedwig beschrieben.

Die eigentliche Inbetriebnahme erfolgte dann im Oktober 2018. Nach dem „Phase-In“ im November 2018 und erster Information der Rettungsdienste in und um Regensburg, wurden bereits im Dezember über 1000 Patienten mit diesem System vorangemeldet. Durch die rasche Akzeptanz beim Rettungsdienst konnten wir bereits erste Erfolge (noch schnellere Versorgung von Schlaganfällen) erzielen. Aber auch negative Aspekte fielen auf: da die Notärzte (noch) nicht mit diesem System dokumentieren, kommt es gerade bei Notarztbegleitenden Einsätzen zu einer Verzögerung der Anmeldung, dies konnten wir jedoch durch Kommunikation mit den Rettungsdiensten und Modifikation der Anmelderoutine bereits in der Anfangsphase lösen.

Fazit

Die Voranmeldung mittels des NIDA-Systems hat sich sehr rasch in der Praxis etabliert. Sie erleichtert häufig die Ressourcenzuteilung und verbessert bei bestimmten Erkrankungen/Einsätzen wie erhofft und erwartet Übergabezeit und Versorgungszeit für die Patienten. Die vor allem bei kritisch kranken Patienten vorzeitige administrative Aufnahme ins KIS ermöglicht die raschere Einleitung von diagnostischen Maßnahmen bei diesen kritisch kranken Patienten. All diese Aspekte stellen eine maßgebliche Verbesserung in der Versorgungsqualität dar, die befürchteten negativen Folgen sind weitgehend ausgeblieben.

Noch nicht abgeschlossen ist die Übertragung der Protokolle in das Krankenhausinformations-System, hier hoffen wir bis Mitte des Jahres 2019 alle technischen Vorbereitungen erfüllt zu haben, die Zeit nutzen wir, um die bereits jetzt mögliche abschließende Übertragung des Protokolls zusätzlich zum Ausdruck bei den Rettungsdiensten zu etablieren.