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Darmkrebs - immer häufiger bei jungen Patienten

von Dr. Detlef Schoenen, Chefarzt und Dr. Alexander Lorenz, Oberarzt, Allgemein-, Viszeral- un dGefäßchirurgie, Krankenhaus St. Barbara Schwandorf | 16.10.2019

Operationen an Dick- und Mastdarm stellen einen Schwerpunkt im Krankenhaus St. Barbara Schwandorf dar. Häufig machen Darmkrebs oder eine Divertikelerkrankung die Eingriffe erforderlich. Im klinischen Alltag fällt auf, dass zunehmend jüngere Erwachsene davon betroffen sind. Zum Teil liegt das Alter der Patienten bei lediglich Mitte Zwanzig. Internationale Studien bestätigen diesen Eindruck.

Wer gilt als ein junger Patient?

 

In vielen Ländern werden Vorsorgeuntersuchungen für den Darmkrebs wie etwa ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl oder eine Darmspiegelung ab dem 50. Lebensjahr von den Krankenkassen bezahlt. Daher orientieren sich die meisten Studien an dieser Altersgrenze. In den letzten Jahrzehnten sanken hierdurch bei den über 50-jährigen die Zahl der Neuerkrankungen und die Sterblichkeit in Bezug auf Darmkrebs. Dennoch wurde in Deutschland im Jahr 2014 die Diagnose „Darmkrebs“ insgesamt bei ca. 61.000 Patienten gestellt, es handelt sich also um eine immer noch häufige Erkrankung.

Es fällt auf, dass seit vielen Jahren die Zahl der Neuerkrankungen unter Erwachsenen, die jünger als 50 Jahre sind, jedes Jahr gestiegen ist. Besonders ausgeprägt war der Zuwachs bei den 20- bis 29-jährigen. Die Zahl der Neuerkrankungen nahm in dieser Altersgruppe zwischen 2004 und 2016 in Europa um 7,9%  zu, in bis zu 75% der Fälle findet sich dabei bereits ein fortgeschrittenes Stadium.  Im Vergleich dazu fiel der Anstieg bei den 40- bis 49-jährigen im gleichen Zeitraum mit 1,6% deutlich geringer aus. Im jüngeren Lebensalter kommt es zudem auch häufiger zu einem schnelleren Voranschreiten der Erkrankung.

Was ist die Ursache?

Der genaue Grund für die steigende Zahl an Darmkrebsfällen bei jungen Patienten ist ungeklärt. Eine Rolle dürfte der Lebensstil spielen. So erhöhen Übergewicht und Bewegungsmangel das Risiko für Darmkrebs. Der Verzehr von rotem Fleisch, das Rauchen und der übermäßige Alkoholkonsum wirken sich ebenfalls ungünstig aus. Eine Veränderung der Darmflora (Mikrobiom), ausgelöst zum Beispiel durch Farb- und Konservierungsstoffe in den Nahrungsmitteln oder durch den Einsatz von Antibiotika, wird auch als Ursache diskutiert. In manchen Untersuchungen gab es zudem Hinweise auf einen Zusammenhang mit einer Infektion durch Humane Papillomviren (HPV).

Und nun?

Das empfohlene Alter für den Beginn der Vorsorgeuntersuchungen auf 45 Jahre zu senken, wie etwa in den USA als Reaktion auf diesen Trend geschehen, erscheint hierfür wenig Erfolg versprechend. Die besonders gefährdeten, viel jüngeren Patienten werden durch diese Maßnahme nämlich nicht erfasst. Es ist Aufgabe der Forschung, ein genaueres Risikoprofil zu erstellen und entsprechende Screeningverfahren zu entwickeln, die dann von den Krankenkassen in deren Leistungskatalog auch übernommen werden müssen. Bis dahin sollten wir Ärzte wachsam sein und mit dem Auftreten von Darmkrebs gerade auch bei jüngeren Patienten rechnen. In Prävention und Aufklärung liegen derzeit vorhandene Optionen. Nicht nur Risikopersonen, etwa Angehörige von Familien, in denen Darmkrebs schon gehäuft aufgetreten ist, haben die Möglichkeit, ihren Lebensstil darmfreundlicher zu gestalten. Auch sollten Jüngere auf entsprechende Warnhinweise wie Blut im Stuhl oder einen ungewollten Gewichtsverlust achten. In solchen Fällen ist eine zeitnahe Abklärung  erforderlich.    

 

Literatur:

  1. Vuik, FER et al., „Increasing incidence of colorectal cancer in young adults in Europe over the last 25 years“, Gut (2019); 68: 1820-1826
  2. Araghi, M et al., „Changes in colorectal cancer incidence in seven high-income countries: a population-based study“, Lancet Gastroenterol Hepatol (2019); 4(7): 511-518
  3. Mauri, G et al., „Early-onset colorectal cancer in young individuals“, Molecular Oncology (2019); 13: 109-131